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Neuerungen und Möglichkeiten unter Windows Vista für blinde/sehbehinderte Nutzer
Von Werner KraußeInhalt:
- Vorbemerkung:
- Rückblick auf Windows XP:
- Wie wird Windows Vista nun angeboten:
- Voraussetzungen an die Hardware:
- Das Betriebssystem Windows Vista
- Office 2007
- MS Outlook:
- Ältere Windowsapplikationen:
- Vista und Vergrößerungssoftware
- Befehlslisten:
- Anmerkung/Probleme von Oliver Nadig (Marburg) zu Spielen unter Windows Vista Business:
Vorbemerkung:
Seit Juli 2007 arbeite ich mit einem Lap Top mit 2 Partitionen und seit Oktober 2007 mit einem Desktop mit drei Partitionen, auf jeder Partition jedes Computers ist "Windows Vista Enterprise" und "Office 2007 Enterprise" installiert.
Ich verwende hier die Screenreader:
Lap Top:
- JAWS, Version 8 und
- Window-Eyes, Version 6.1
Desktop:
- JAWS, Version 8
- Window-Eyes, Version 6.1 und
- Supernova, Version 8
Rückblick auf Windows XP:
Am 25. Oktober 2001 erschien Windows XP und feierte damit erst vor wenigen Monaten seinen 6. Geburtstag. Bis zum Erscheinen von Windows XP und dem damit ersten auf NT-Technologie basierenden Betriebssystem für Consumer- und Business-Kunden war es aber ein langer Weg. Während Firmenkunden über NT 3 zu Windows NT 4 fanden, quälten sich die meisten Windows-Nutzer mit dem doch oft altertümlich und jederzeit zum Bluescreen oder Reset bereiten DOS/Windows-Gemisch in Gestalt von Windows 95, Windows 98 und Windows ME. Erst mit Windows XP und den beiden Varianten Home und Professional führte die (Windows 9-Familie und NT-Familie) zusammen.
Nach meiner Meinung war die Einführung von Windows XP der größte Meilenstein aus Sicht der Endanwender, da diese Systemplattform, basierend auf NT-Technologie, einfach zu viele Vorteile gegenüber der bisherigen Plattformen auf DOS-/Windows-Basis bot
Zu Anfang fand Windows XP keine große Verbreitung. Fehlende Treiberunterstützung, nicht mehr laufende Windows 9-Applikationen und große Hardwarevoraussetzungen brachten die Kritiker als Gegenargument zu Windows XP hervor und blieben bei Windows 9 oder Windows 2000 (vorwiegend Firmenkunden und Power User).
Dies alles konnte aber den Siegeszug von Windows XP nicht aufhalten. Heute läuft Windows XP auf der großen Mehrheit aller Rechner mit Windows als Betriebssystem und hat die Vorgänger, für welche Microsoft grundsätzlich auch keinen Support mehr bietet, weitestgehend verdrängt. Maßgeblich für den Erfolg dürfte unter anderem die Tatsache sein, dass Hersteller von Hard- und Software nicht mehr für verschiedene Plattformen ihre Produkte und Treiber entwickeln und testen mussten.
Krankte es bei Windows NT und Windows 2000 noch an Treiberunterstützung für "End-user-Hardware", hatte sich das Problem mit Windows XP grundsätzlich erledigt, wenngleich die ersten Treiber für Grafik- und Soundkarte sowie Chipsatz keinen besonders stabilen Ruf hatten. Microsoft patchte in den Folgejahren Windows XP mit dem Service Pack 1 und 2, welche den gestiegenen Bedrohungen durch die intensive Internetnutzung (dank DSL und Co.) entgegenwirken sollten. Für 2008 ist das Service Pack 3 geplant.
Damit möchte ich Windows XP, also den Rückblick verlassen, und zu Windows Vista kommen.
Microsoft arbeitet seit einigen Jahren an dem neuen Betriebssystem "Windows Vista", welches bis zu seiner Veröffentlichung unter dem Codenamen "Longhorn" bekannt war.
Die Neuerungen in Windows Vista lesen sich auf den ersten Blick nicht viel anders als die von Windows XP vor 6 Jahren: Mehr Sicherheit, mehr Übersicht, mehr Multimedia. Das alles hatte man auch schon von Windows XP erwartet und wurde nicht vollständig erfüllt. Mit Vista will es Microsoft besser machen und bietet dazu neben zahlreichen Modifikationen und neuen Funktionen unter der Haube auch einen bunten Strauß zahlreicher Beigaben (Media Player, Mailclient (Mailprogramm), DVD-Maker und Co.
Wie wird Windows Vista nun angeboten:
Windows Vista wird in verschiedenen Editionen angeboten. Diese sollen sich an den Bedürfnissen der Endanwender ausrichten. Dies sind im einzelnen:
Windows Vista Home Basic
Dies ist die kleinste im Handel verfügbare Variante. Sie umfasst die wichtigsten Vista-Funktionen, lässt aber Features wie Festplatten- und Dateiverschlüsselung, Backup-Funktionen, einige Multimedia-Features sowie Tauglichkeit für Domänenbeitritt vermissen.
Domäne bezogen auf das Internet = ein zusammenhängender Teilbereich des hierarchischen Namensraumes, des Domain Name System (DNS);
Domäne (Windows)
eine Struktur zur Verwaltung lokaler Netze, vorwiegend in Windows-Netzwerken;
Windows Vista Home Premium
Hier handelt es sich um die Deluxeversion der vorstehend erwähnten Variante. In dieser finden sich weitestgehend alle Windows-Features - mit Ausnahme von Verschlüsselung, Teilen der Sicherungsfunktionen sowie Domänentauglichkeit.
Diese beiden Editionen richten sich in erster Linie an Privatkunden.
Windows Vista Business
Diese Edition wendet sich an Firmenkunden. Hier fehlen vornehmlich Programme wie der DVD-Maker, Media Center oder Movie Maker (Videosoftware). Dafür ist diese Version für den Einsatz in einer Domäne bereit und unterstützt auch 2 CPUs (in jeweils einem CPU-Sockel).
Windows Vista Enterprise
Diese Variante wird wahrscheinlich überwiegend von Großkunden verwendet werden. Sie entspricht der Business-Edition, kann aber auch die Festplattenverschlüsselung aktivieren.
Windows Vista Ultimate
Es ist die größte Version und umfasst alle verfügbaren Features von Windows Vista.
Bei der Installation von Windows Vista wird in der Regel die "Ultimate-Version" installiert. Je nach Softwareschlüssel werden die entsprechenden Versionen (Funktionen) freigeschaltet. Es ist jederzeit möglich, durch einen anderen Schlüssel eine höherwertige Version freizuschalten. Ggf. müssen noch Treiber usw. nachinstalliert werden. (Systemsteuerung, System, Tab auf Produktkey ändern)
Voraussetzungen an die Hardware:
Ich rate nicht, Vista auf älteren Computern zu installieren. Sicherlich zu Testzwecken, jedoch zum richtigen Arbeiten empfiehlt es sich nicht. Hier nun die Hardwarevoraussetzungen (Mindestvoraussetzungen):
Für alle Versionen:
Prozessor: 1 GHZ, 32-BIT (X86) oder 64-BIT (X64)
Hauptspeicher (RAM): 1 GB (besser aber mehr als 2 GB).
Grafikkarte: "AERO"-fähig
Grafikspeicher: 128 MB
Festplattenspeicher: 40 GB
freier Festplattenspeicher: 15 GB
Auf der Webseite: von wintotal Vista Voraussetzungen
kann man sich sehr gut darüber informieren.
Das Betriebssystem Windows Vista
Was ist neu in Windows Vista?
Hier nur eine kleine Auswahl. Ich erwähne hier nur die nach meiner Einschätzung wichtigsten Neuerungen.
Sicherheit:
Bei allen Systemfunktionen kommen Sicherheitsrückfragen. Der Desktop wird dabei ausgeblendet und es erscheint eine Abfrage. Nur wenn man diese entsprechend beantwortet, kann weitergearbeitet werden. Man kann diese Sicherheitsabfragen umgehen, wenn man ein Programm nicht mit Enter, sondern mit SHIFT-Enter startet. Diese Sicherheitsabfragen können allerdings auch abgeschaltet werden.
Firewall:
Unter XP wurde nur der eingehende Datenstrom kontrolliert. Unter Windows vista wird auch der ausgehende gefiltert.
Defender:
Überwacht das System nach Trojanern, Rootkits usw. Ersetzt aber keinen Virenwächter.
Was ist das?
(Ein Trojanisches Pferd zählt zur Familie unerwünschter bzw. schädlicher Programme, der so genannten Malware. Es wird umgangssprachlich häufig mit
Computerviren-synonym verwendet, sowie als Oberbegriff für
Backdoors und Rootkits gebraucht, ist davon aber klar abzugrenzen.)
BIT-Locker:
Hier können Festplatten verschlüsselt werden. Durch Ausbau und Einbau in ein anderes System können die Daten nicht gelesen werden. Nur bei Enterprise und Ultimate möglich. Der Verschlüsselungscode kann auf einem Stick usw. gespeichert werden.
Systemsicherung:
Wie unter XP kann eine Systemwiederherstellung nach Wiederherstellungspunkten durchgeführt werden. Unter Vista können auch Dateien zurückgesetzt werden auf die Vorversion. Man findet in den Dateieigenschaften eine Registerkarte hierzu. Nach einer Systemwiederherstellung können also Dateien auf die Vorversion zurückgesetzt werden. Ferner können Sicherungen von Festplatten oder Partitionen voreingestellt werden.
Die Netzwerktechnik muss natürlich auch genannt werden.
Wer sich sehr ausführlich über das eben genannte informieren möchte, kann dies auf der Webseite: Wintotal Vistavorstellung Teil 2
tun.
Die auffälligste Neuerung beim ersten Start von Windows ist das Erscheinungsbild. Allem voran zeigt sich Windows Vista mit einem neuen Design, welches auf den Namen Aero getauft wurde. Es gibt selbstverständlich auch noch die klassische Darstellung.
Das Startmenü:
Das neue Startmenü bietet gleich mehrere Veränderungen: Sie sehen unter den Programmen für Internet und Mail die Liste der zuletzt genutzten Programme. Hinter dem Eintrag "Alle Programme" versteckt sich das klassische Startmenü mit den installierten Programmen. Dies klappt allerdings nicht nach rechts auf, sondern ersetzt komplett den linken Bereich des Startmenüs. Wer viele Hauptgruppen an Softwareeinträgen besitzt, muss hier ggf. scrollen, um alle Einträge zu erreichen.
Während man beim Startmenü von Win XP (nicht klassisches Startmenü) mit Buchstaben auch den erweiterten Bereich des des Startmenüs erreichte, ist dies nun nicht mehr möglich. Erst einmal Cursor rechts und dann kann man durch Eingabe eines Buchstaben jeden Startmenüpunkt direkt erreichen.
Öffnet man das Startmenü erscheint als erster Menüpunkt "Suchen". Dieser Menüpunkt ist ein echter Gewinn gegenüber früheren Windowsversionen. Man kann hier Programme ebenso suchen, wie Dateien und Auswahlpunkte der Systemsteuerung usw. Um sich Dokumente auflisten zu lassen, benötigt man nur einen Begriff, der in dem Dokument vorkommt. Allerdings muss man darauf achten, dass bei einem sehr allgemeinen Begriff, eine sehr große Liste erscheint. Gibt man beispielsweise "Word" ein, erscheint zunächst "Microsoft Word" und darunter "Wordpad". Mit Enter kann das entsprechende Programm gestartet werden. Um die Auswahl/Fundstellen einzuschränken, sind Suchkriterien wie in Suchmaschinen z. B. Google möglich. Durch das Pluszeichen bzw. das Minuszeichen kann man festlegen, welche Begriffe ebenfalls vorhanden sein müssen oder nicht vorkommen dürfen; ferner kann man Zitate in Anführungszeichen setzen usw. Eine mehrmalige Verwendung der Suchkriterien ist möglich. Dieser Suchenmenüpunkt ist wirklich eine große Hilfe. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass dieser Punkt nur erscheint, wenn man die Windows Vista-Ansicht bestehen lässt. Stellt man auf "klassische Ansicht" um, fehlt er. Allerdings ist er dann mit der Tastenkombination Windowstaste+f ebenfalls erreichbar.
Darüber hinaus lassen sich mit Hilfe dieses Menüpunktes auch Webseiten und Unterseiten im Web suchen. Beispiel:
Eingabe: DBSV +FIT +Fit am Computer
Cursor abwärts auf "Internet" und Enter.
Nun erhält man eine Seite mit Suchergebnissen "Webergebnisse" auf der Webseiten und Unterseiten im Web sowie Textpassagen aufgelistet sind. Durch anklicken erreicht man von hier aus die entsprechende Webseite direkt.
Beispiel 2: DBSV -FIT +Computer
Bei den Fundstellen kommt der FIT nicht vor, er ist mit dem Minuszeichen von der Suche ausgeschlossen.
Beispiel 3: DBSV +"Fit am Computer"
Gefunden werden Webseiten, auf denen diese Broschüre zum Download oder Lesen angeboten wird.
Im Startmenü, das bekanntlich in zwei Teilen erscheint (links häufig benutzte Programme, rechts die restlichen Startmenüeinträge) gibt es auch wiederum einige Änderungen. Der Menüpunkt "Eigene Dateien" heißt jetzt "Benutzername" (gemeint ist der installierte Benutzername des Anwenders), in meinem Fall "Krausse". Ferner heißt das Programm "Arbeitsplatz/Windows Explorer" jetzt "Computer" usw. Es gibt nur noch "Computer" und keine zwei Programmstrukturen mehr.
Um die zuletzt genannten Programme auf dem Desktop zu haben, geht man über "alle Programme" auf den entsprechenden Eintrag und dann ins Kontextmenü und dort auf den Menüpunkt: "auf dem Desktop anzeigen" und bestätigt mit Enter.
Ferner fällt auf, dass einige Shortcuts (Tasten zum schnelleren Erreichen von Programmen im Startmenü, geändert wurden. So wird die "Systemsteuerung" nicht mehr mit dem "y", sondern mit dem Buchstaben "s" erreicht. Das heißt, umlernen! manche Buchstaben wie z. B. das "s" müssen dann mehrmals gedrückt werden.
Die Systemsteuerung:
Das Hauptmenü der Systemsteuerung entspricht dem herkömmlichen. Man öffnet das Dateimenü beispielsweise noch mit ALT+d usw. Auch hier sollte man von der sog. Listenansicht (Menüpunkt Ansicht) auf Detailansicht umstellen.
Es gibt neue Einträge und andere Einträge sind in der Systemsteuerung anders benannt. Z. B. heißt der Menüpunkt "Software" jetzt "Programme und Funktionen" usw. Auch die Bedienung/Funktionen innerhalb eines solchen Menüpunktes hat sich geändert. Um ein Programm beispielsweise zu deinstallieren, geht man auf den gewünschten Programmeintrag und dann nicht mehr mit der Tab-Taste auf den entsprechenden Eintrag und bestätigt, sondern man muss die sog. Kontextmenütaste drücken; hier findet man dann "deinstallieren/reparieren".
Sidebar:
Neu ist auch die "Sidebar". Das ist ein Fenster auf der rechten Seite des Bildschirms, in dem Minianwendungen laufen; z. b. die CPU-Auslastung, das aktuelle Wetter usw. Öffnet man nun eine Anwendung, wird dieses Fenster nicht weggeschaltet, sondern es bleibt rechts stehen, der Text ist jedoch darunter weiter sichtbar "durchscheinend/transparent" (AERO GLASS). In die Sidebar schaltet man sich mit der Tastenkombination Windowstaste+g, wählt dann mit den Pfeiltasten aus und öffnet mit Tab.
Abschließend zu Windows Vista möchte ich noch auf den Info-Bereich hinweisen. Dieser kann mit der Tastenkombination "Windowstaste+b" aufgerufen und mit den Pfeiltasten durchgegangen werden. Verwenden Sie diese Tastenkombination, da die screenreadereigenen oft nur einen reduzierten unvollständigen Info-Bereich zeigen. Dies können JAWS-Benutzer sehr leicht prüfen, indem sie mit der Tastenkombination "Einfügen+F11" den Info-Bereich durchgehen und dann mit der Tastenkombination "Windowstaste+b".
Systemsicherheit
Windows Vista soll einen wesentlich höheren Sicherheitsstandard haben. Der Benutzer bemerkt dies sehr schnell an den vielen Abfragen. Bei sehr vielen Betriebssystemfunktionen (Öffnen eines Ordners, Kopieren einer Datei in einen anderen Ordner, Löschen usw.) erreicht man sein Ziel nur dann, wenn man die Sicherheitsabfragen von Windows richtig beantwortet. Da dies sehr lästig sein kann, ist es möglich, in der Systemsteuerung diese Abfragen abzuschalten (Benutzerkonten). Damit wird allerdings die viel beschriebene Sicherheit zum Teil reduziert.
Zum Punkt Systemsicherheit "Systemwiederherstellung" ist zu beachten, dass, wenn man im sog. Dual Boot-Modus arbeitet, nach dem Start von Windows XP die gesetzten Punkte für die Systemwiederherstellung gelöscht werden. Wer nur unter Windows Vista arbeitet, hat dieses Problem selbstverständlich nicht.
Zum Schutz gegen Trojaner und Spyware ist standardmäßig der sog. "Defender" installiert und aktiv, welchen man in der Systemsteuerung findet. Er ersetzt jedoch keinen Virenscanner! Spyware = Spionagesoftware, vom engl. Wort Spy = Spionage.
Ist der Umstieg auf Vista jetzt zu empfehlen?
Ich denke, an die Neuerungen und Änderungen kann man sich relativ schnell gewöhnen. Kauft man sich heute einen neuen Rechner, so ist auf diesem in aller Regel Windows Vista installiert. Nach meinen bisherigen Erfahrungen rate ich nicht dazu, ein Downgrade auf WIN XP zu machen, was derzeit von Microsoft noch angeboten wird.
Screenreaderunterstützung:
Derzeit wird Windows Vista in allen Varianten von den Screenreadern:
- JAWS 8
- Window-Eyes 6.1 und
- Supernova/HAL 8
unterstützt.
Mehrere Screenreader auf einem System einer Partition lassen sich nicht installieren, da von Windows Vista die sog. "DCM-Technik" nicht unterstützt wird. Die Bildschirmtreiber der einzelnen Screenreader werden nicht richtig entfernt und durch den anderen des zugeladenen Screenreaders ersetzt.
Office 2007
Was ist neu in diesem Officepaket?
Es gibt keine so gewohnte Menüführung mehr. Der Ersatz für das Hauptmenü heißt jetzt "Multifunktionsleiste" und enthält sog. Registerkarten. Durch diese geht man nicht mit den Pfeiltasten, sondern mit der Tabulatortaste von Schalter zu Schalter. Dabei gibt es relativ wenig Untermenüpunkte innerhalb eines solchen Schalters, sondern diese sind weitgehend eigene Schalter, was diese Registerkarteneinträge sehr lang macht. Alle Schalter sind auch über sog. Hotkeys (Tastenabfolgen) erreichbar. Tastenabfolgen heißt, dass man, um beispielsweise die "Normalansicht" einzuschalten, die Tasten "ALT", "f", "e" nacheinander drücken muss oder zum Speichern: ALT, d, h bzw. für die Schriftart: ALT, r, f, f usw. Diese neue Oberfläche und Steuerung der einzelnen Programmfunktionen erscheint mir noch sehr unübersichtlich und erfordert ein Auswendiglernen vieler Tastenabfolgen.
Beruhigend für Umsteiger ist, dass fast alle alten Tastenkombinationen noch gehen (Umschalten+STRG+f für fett, SHIFT+ALT+d für Druckdatum usw.).
Anzumerken ist außerdem, dass einige der alten Menütastenkombinationen auch unter Office 2007 noch wirksam sind (Beispiel: in MS Word: ALT+x, o für Extra Optionen), welche man jetzt mit ALT, d, i erreicht.
Innerhalb der Dialoge sind nicht mehr alle Unterdialogfenster mit Tastenkombinationen erreichbar. Hier muss man mit der Tab-Taste durchgehen, was z. B. bei den Dialogen "Öffnen" sowie "Speichern unter" sehr viele Tastendrücke bedeutet, da diese Dialoge sehr umfangreich geworden sind. Allerdings gibt es auch schöne Sachen in Office 2007. Eine Neuerung ist auch die Statuszeile, die wie gewohnt am Fensterende erscheint. Man kann sich mit der ALT-Taste in die sog. Multifunktionsleiste schalten und dann mit STRG+Tab in die Statuszeile gehen; so bietet das Kontextmenü an dieser Stelle die Möglichkeit, nur gewünschte Informationen dort sichtbar zu machen und unnötige Anzeigen herauszunehmen. Außerdem kann man dann mit den Pfeiltasten durch die dort erscheinenden Funktionen gehen und mit Enter bzw. der Leertaste diese starten/auslösen.
Etwas ist noch anzumerken; die Dateiendungen (Suffix, Extension) bestehen nicht mehr aus drei Buchstaben "*.doc", "*.dot", "*.xls" usw., sondern aus vier Buchstaben "*.docx", "*.dotx", "*.xlsx" usw.
Installiert man Programme wie "RTFC", HBSWIN oder Openbook usw., so sind die Programmaufrufe nicht in den Menüs verteilt, wie dies bisher der Fall ist, sondern es wird eine neue Registerkarte geöffnet "Add-Ins", in welchem man dann diese findet. Ferner ist anzumerken, dass immer dann eigene Registerkarten erscheinen "Entwurf" und "Layout", wenn man einen Text mit einer Tabelle öffnet oder eine solche selber erstellt. In diesen findet man dann die Funktionen zum Bearbeiten/Programmieren einer Tabelle. Darüber hinaus gibt es von Microsoft ein Tool "SAVEASPDF.EXE", welches sich in Word, Microsoft EXCEL usw. installiert. Mit der Tastenabfolge: ALT, d, h, p (speichern unter Dialog) wird ein Text als PDF-Dokument gespeichert.
MS Outlook:
Abweichend zu den meisten Microsoftapplikationen im Office 2007-Paket fällt auf, dass hier die althergebrachte Menüführung und Pulldownmenüs noch vorhanden sind. Änderungen gegenüber früheren Versionen findet man erst, wenn man etwas genauer hinschaut, z. B. im Terminkalender oder im Adressbuch, oder wenn man ein Menü in einer geöffneten (neuen) Mail öffnet, dann erscheint mit der ALT-Taste die Multifunktionsleiste und nicht die gewohnten Menüs.
Ältere Windowsapplikationen:
Für Umsteiger von Windows XP auf Windows Vista ist noch wichtig anzumerken, dass es durchaus möglich ist, ältere Officeversionen wie z. B. Office 2003 oder andere Programme installieren zu können. Sie funktionieren unter Vista wie gewohnt. Ich habe beispielsweise den Bundesbahnfahrplan, die Kurzschriftübersetzungsprogramme "RTFC" und "HBSWIN", PHASE 5 (HTML-Programm installiert und diese laufen ganz normal zufriedenstellend. Wichtig! gibt es von einer Software, sowohl eine XP- als auch eine Vistavariante, so ist die Vistavariante zu installieren. Microsoft garantiert im anderen Fall nicht die Lauffähigkeit.
Ein Problem gibt es mit Visualbasic Version 6 im Zusammenhang mit Spielen unter Windows Vista Business. Siehe hierzu am Ende die Hinweise von Oliver Nadig (Marburg).
Installiert man zu Office 2007 auch noch Office 2003, so findet man nach der Installation, die ganz normal abläuft, die einzelnen Programmverknüpfungen in der gleichen Programmgruppe, in der auch die von Office 2007 zu finden sind. Sie sind dort alphabetisch angeordnet. Man kann ganz normal unter Office 2003 arbeiten, muss aber in einigen Dialogen kleinere Änderungen hinnehmen, die wahrscheinlich Vista beeinflusst.
Vista und Vergrößerungssoftware
Zu den Bildschirmvergrößerungsprogrammen kann ich nicht sagen, welche Windows Vista und Office 7 bereits und wie gut unterstützen und wie das Zusammenspiel mit einem Screenreader funktioniert. Recherchen hierzu ergaben:
Zoomtext von AISquared unterstützt Vista und Office 2007.
Lunar von Dolphin Systems macht noch nicht den sichersten Eindruck bei Office 2007.
MAGic von Freedomscientific unterstützt seit Dezember mit einer public Beta, ebenfalls Windows Vista.
Befehlslisten:
Ich möchte noch darauf hinweisen, dass es für
- Windows Vista (Betriebssystemfunktionen),
- Windowsmail (Nachfolger von Outlook Express),
- Microsoft Outlook und
- Microsoft Word (Teil 1)
- Microsoft Word (Teil 2)
bereits Befehlslisten gibt. Diese finden Sie auf meiner Webseite:
http://www.Werner-Krausse.de
Außerdem sind sie auch wieder in den Formaten Blindenkurzschrift, in digitaler Form auf Datenträger bzw. in Großdruck beim BIT-Zentrum des Bayer. Blinden- und Sehbehindertenbundes erhältlich.
Weitere Befehlslisten, wie Microsoft EXCEL usw. werden dann folgen.
Anmerkung/Probleme von Oliver Nadig (Marburg) zu Spielen unter Windows Vista Business:
Spiele, die in der Programmiersprache "Visual Basic 6" programmiert wurden und auf Funktionen von DirectX 8 zurück greifen, laufen ohne Eingriff nicht unter Windows Vista Business, obwohl sie unter anderen Editionen von Vista, beispielsweise Windows Vista Home Premium problemlos zu funktionieren scheinen.
Wie äußert sich das Problem?
Wenn Sie ein solches Spiel zu starten versuchen, erhalten Sie eine Fehlermeldung mit der Nummer 429 und dem Hinweis, dass ein ActiveX-Steuerelement nicht erstellt werden konnte.
Welche Spiele sind betroffen?
Unter Anderem
- "Pigeon Panic", "LockPick", "Egghunt" und Super Egghunt" von der Firma L-Works,
- "Pipe", "Pipe 2: Blast Chamber", "Troopanum 2.0" und "Hunter" der Firma BSCGames.
Was ist die Ursache der Probleme?
Die Variante des unter Windows Vista Business Edition automatisch installierten DirectX 10 unterstützt die Programmiersprache "Visual Basic 6" standardmäßig nicht mehr.
Problemlösung:
Folgende Schritte sorgen dafür, dass die Unterstützung von "Visual Basic 6" unter DirectX 10 möglich wird:
- Besorgen Sie sich die beiden Dateien dx7vb.dll und dx8vb.dll, die Bestandteil von DirectX 8 und 9 sind entweder
- von einer zuverlässigen Download-Quelle über das internet oder
- aus dem Ordner c:\windows\system32 eines Windows XP-Computers, auf dem DirectX 8 oder 9 installiert ist.
- Kopieren Sie die beiden genannten Dateien auf Ihrem Windows Vista-Computer in den Ordner
C:\windows\system32 - Registrieren Sie die beiden dll-Dateien am System. Tun Sie hierzu folgendes:
- Drücken Sie die Tastenkombination WINDOWSTASTE+R, um den Dialog AUSFÜHREN zu öffnen.
- Tippen Sie in das Eingabefeld folgendes ein:
regsvr32 c:\windows\system32\dx7vb.dll - Drücken Sie anschließend zur Bestätigung die EINGABETASTE und bestätigen Sie die auf dem Bildschirm erscheinende Meldung über die erfolgreiche Registrierung ebenfalls mit der EINGABETASTE.
- Drücken Sie die Tastenkombination WINDOWSTASTE+R, um erneut den Dialog AUSFÜHREN zu öffnen.
- Tippen Sie in das Eingabefeld folgendes ein:
regsvr32 c:\windows\system32\dx8vb.dll
Weiterführende Informationen:
Homepage des Artikelautors Werner Krauße
Windows-Zugang für Blinde - Artikel von Matthias Haenel
Microsoft Windows-Hilfe und -Anleitungen für Sehbehinderte zu Windows Vista

