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Mobilitätstraining

 

Eindrücke zum Mobilitätstraining

(von Sandra Gesswein)

Mein allererstes Mobilitätstraining habe ich mit einem Rezept vom Augenarzt über die Krankenkasse beantragt.

Der erste Mobilitätstrainer hat mir die Kreuzungen erklärt, z. B. T-Kreuzung. Er hat mit mir verschiedene Straßenprofile ausprobiert. Glatter Untergrund, gepflastert oder geriffelt.

Dann bin ich zur Fortbildung gefahren und seit dem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Er hat das Mobilitätstraining in die Länge gezogen. Von sechzig Stunden, die ich haben sollte innerhalb eines halben Jahres, hatte ich zehn Stunden in eineinhalb von 2 Jahren. Er hatte sich wie gesagt nicht mehr bei mir gemeldet und meine Stunden waren noch nicht zu Ende.

Ich ging dann ein par Monate später noch einmal mit einem Rezept zur Krankenkasse und schilderte ihnen meinen Fall. Ich sagte ihnen auch, ich wisse nicht an wem ich mich wenden könnte und wie ich jetzt weiter verfahren sollte.
Sie gaben mir darauf hin eine Adresse und Telefonnummer, an die ich mich wenden konnte und das war die Nummer von Herrn Thomas Braun aus Berlin.
Ich bekam von der Krankenkasse nochmals fünfzig Mobilitätsstunden. Die volle Anzahl von sechzig Stunden konnten sie mir nicht zusichern, da ich von den regulären sechzig Stunden schon zehn absolvierte.

Ich habe dann mein Mobilitätstraining bei Herrn Braun angefangen und mit gutem Gewissen etwas mitgenommen zu haben, beendet.
Er hat mit mir den Umgang mit dem Blindenlangstock trainiert, sowie die wichtigsten Wege, die ich regelmäßig laufe. Ich kannte die Wege schon, aber er hat mir genau erklärt, worauf ich achten sollte, an welchen Stellen es sicher ist eine Straße zu überqueren, wie eine Blindenampel funktioniert und vieles mehr.
Ich habe dann ein Arbeitsangebot in Neuruppin bekommen und wandte mich nochmals an Herr Braun. Er sagte mir dann, daß ich das Mobilitätstraining bei der Agentur für Arbeit bzw. beim Integrationsamt beantragen müsse. Dies tat ich dann auch und ich bekam zwanzig Stunden, um meinen Arbeitsweg zu üben und einzuprägen.
Herr Braun fuhr mit mir die gesamte Strecke von Oranienburg nach Neuruppin, lief dort mit mir den Weg bis zu meiner Arbeitsstelle und wieder zum Bahnhof, dann fuhr er mit mir nach Oranienburg zurück.

Er kam auch mehrmals nach achtzehn Uhr zu meiner Arbeitsstelle und lief mit mir die gesamte Strecke vom Arbeitsplatz zum Bahnhof und wieder zurück mehrmals an einem Abend.

Manchmal war es für mich Streß pur, aber er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und machte oftmals eine Pause, wenn er bemerkte, daß ich nicht mehr so konzentriert war.
Ich war meist auch der Meinung, daß mir der Stock lästig ist und ich könnte ihn ruhig zu Hause lassen. Herr Braun belehrte mich eines Besseren: „Der Blindenlangstock ist für mich eine Sicherheit im Straßenverkehr. Der Stock weißt den Auto- oder Fahrradfahrer darauf hin, daß sich ein Blinder bzw. Sehbehinderter der Kreuzung nähert“.

Ja, was soll ich sagen, er hatte in einem Punkt recht, die Autofahrer hielten, wenn sie mich mit dem Stock sahen, aber die Fahrradfahrer achteten auf nichts. Einmal wäre ich fast vom Radfahrer überfahren worden, ich hätte aber keine Schwierigkeiten mit der Polizei bekommen, weil ich mit dem Blindenstock darauf hinwies, „Vorsicht, ich kann schlecht gucken“. Wenn ich den Stock nicht bei gehabt hätte, wäre ich in großen Schwierigkeiten geraten, da ich verpflichtet bin mich zu kennzeichnen, d.h. mit einem Blindenstock oder bzw. mit zwei Armbinden.

Der Radfahrer aber hätte zahlen müssen, und hätte obendrein noch eine Anzeige bekommen, wegen Gefährdung im Straßenverkehr, da hätte ihm keine Ausrede genützt.

So, das war ein kurzer Einblick in meinem Mobilitätstraining.

 

Erfahrungsbericht von Matthias Hübner

Hallo, mein Name ist Matthias und ich möchte einwenig von meinen Eindrücken des Mobilitätstrainings erzählen.

Ich konnte zu Beginn meiner Schulzeiten noch um die 20 % sehen, doch es wurde permanent schlechter durch meinen Glaukom (Grünerstarr). Es führte dazu, daß ich heute nur noch maximal hell und dunkel unterscheiden kann. Da ich meine gesamte Schulzeit auf einer Blindenschule absolviert habe, erlernte ich seit der Vorschule die Brailleschrift.

Mein erstes Orientierungs- und Mobiliätstraining begann ich 1985 an der Blindenschule. Mein Mobilitätstrainer gab mir einen Blindenlangstock in die Hand, damit ich erst einmal ein Gefühl für ihn bekam. Er zeigte mir wie weit der Stock nach links und rechts auspendeln durfte. Ich mußte mir eine Straßenkarte einprägen, anschließend ihren Verlauf mit den dazugehörigen Querstraßennamen wiedergeben und ablaufen. Außerdem durfte ich in die Aula gehen und um Hindernisse, die mein Mobilitätstrainer aufgebaut hatte, herumlaufen. Zum Schluß des Mobilitätstrainings habe ich dann den Weg von meiner Schule nach Hause trainiert.

Als Jugendlicher mußte ich die Wege nochmals üben, obwohl ich gesagt habe, daß ich beide Wege gut kann. Ich habe mich mit meinem Mobilitätstrainer abwechselnd in der Schule oder zu Hause getroffen, um den jeweiligen Weg abschnittsweise zu üben. Auch das Laufen auf Bahnhöfen, in Menschenmassen und in Kaufhäusern mußte ich erlernen.

Nach den beiden Orientierungs- und Mobilitätstrainings bin ich so weit fitt, daß ich mich selbständig in der gesamten Stadt und Außerhalb gut zurecht finde.

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Weiterführende Informationen:
Links zur Mobilität - Hilfen und Training
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